Trystan Pütter trifft Verena Güntner

Shownotes

Verenas Roman "Medulla" könnt ihr z.B. hier bestellen: https://www.genialokal.de/Produkt/Verena-Guentner/Medulla_lid_55320918.html

Hello hello from nopressure99bookclub! Es fühlt sich an, als wäre unser letztes Live-Event schon ewig her und weil wir noch nicht absehen können, wann genau wir unser nächstes Live im Château machen können, müssen wir stattdessen in Erinnerungen schwelgen - was wir heute auch tun! Und zwar mit unserer neuen Folge mit Trystan Pütter und Verena Güntner - die Freude ist riesig!! Es geht um Verenas neuen Roman “Medulla”, erschienen 2025 im Dumont Buchverlag. Wir hatten im Februar so einen schönen Abend mit diesem Gespräch und hoffe ihr hört auch so gerne zu - und freuen uns wie immer über Likes, Comments, Follows und so weiter. Danke an unsere vielen vielen Helfer:innen.

An der Kamera:
Antonia Pepita Giesler
Sara Abrantes Schlee
Greg Blakey

Licht:
Henk Otte

Schnitt:
Şilan Şimşek

Danke an unsere Technik-Sponsors WECAP & Schalldruck!!!

Jingle: Arev Emre Imer

Logos: Manuel Bürger

Auch ein riesiges Danke natürlich an Trystan Pütter & Verena Güntner!

& An Nayara Branco-Saeuberlich, Tebe Schöningh, Ferhat Yunus Topraklar und Nina Haun!

Transkript anzeigen

00:00:08: Hi, na?

00:00:09: Wie geht's?

00:00:09: Es fühlt sich an als wäre es schon ewig her.

00:00:12: Unser letztes Live-Event.

00:00:13: und weil wir noch nicht absehen können wann genau wie unser nächstes No Pressure live im Chatur Royal machen können müssen wir stattdessen in Erinnerung schwelten und zwar mit euch gemeinsam unsere neue Folge mit Tristan Pütter und Verena Kündner.

00:00:27: die Freude ist groß.

00:00:29: Es geht um Verenas neuen Roman, Medulla erschienen im Dement-Buchverlag.

00:00:35: Wir hatten im Februar so einen schönen Abend mit diesem Gespräch und freuen uns es jetzt veröffentlichen zu dürfen.

00:00:41: Und natürlich freuen wir uns über Euren Support mit Likes, Comments, Follows usw.

00:00:46: Danke an unsere vielen Helferinnen ohne die das alle nicht möglich gewesen wäre!

00:00:52: Werden alle im Abspann genannt.

00:00:54: bleibt also dran Und nun wünschen wir viel Vergnügen mit Tristan, Peter und Verena Gündner.

00:01:08: Hallo, guten Abend!

00:01:12: Ihr seht alle so gut aus.

00:01:13: das Film.

00:01:14: Sehr gut.

00:01:17: Ich wurde vor einer Woche angerufen ob ich hier mitmachen will.

00:01:22: beim No Pressure ist besser an diesem Titel, Ninety-Nine Book Club und ich dachte URFK kein Fall weil ich so ungern Lese, ehrlich gesagt vor Leuten und weil ich immer super aufgeregt bin vor solchen Dingen.

00:01:38: Und dann war viel.

00:01:40: aber der Name Verena Gündner und das alles was ihr hier seht ist Licht die Kameras.

00:01:47: ihr alle seid eigentlich nur ein Vorwand dass sich zwei Wegbegleiter voneinander nach zwanzig Jahren das erste Mal wiedersehen.

00:02:01: Also Verena und ich waren zusammen in Bremen am Theater engagiert, als sich frisch von der Schauspielschule kam.

00:02:07: Verena war schon da.

00:02:09: Und genau als ich das Bremer Theater verlassen habe... ...und du auch haben sich die Wege getrennt und jetzt versuchen wir, zwanzig Jahre einzuholen und dabei einen aus einem fantastischen Buch vorzulesen.

00:02:32: hat in Salzburg studiert Schauspielerei, ist danach Bremen gegangen ans Theater.

00:02:38: Ist eine fantastische Theater-Schauspielerin!

00:02:42: Wir standen oft zusammen auf der Bühne, wir haben echt einiges zusammen durchgemacht.

00:02:49: Wir waren aber meistens Geschwister glaube ich oder?

00:02:52: Mann und Frau in Amphitrion von Kleist, grandiose Inszenierung habt ihr wahrscheinlich alle von gehört.

00:02:58: ... am Bremer Theater, am Goetheplatz.

00:03:02: Also es war

00:03:04: wirklich schon eine ganz

00:03:05: gute Zeit.

00:03:06: Genau.

00:03:07: Danach bin ich irgendwie nach Berlin abgehauen und unsere Wege haben sich verloren... ...und du hast seitdem drei Bücher geschrieben.

00:03:18: Unglaublich!

00:03:20: Wusste ich gar nicht dass du das kannst.

00:03:21: und jetzt weiß ich,... ...dass du DAS kannst.

00:03:26: Das ist so toll und so beeindruckend.

00:03:30: Ich bin wirklich ganz... ich bin dieses Buch eingestiegen und es war, es hat mich quasi wie so ein Rausch mitgenommen.

00:03:38: Und ich bin wirklich beeindruckt von deiner Kraft und deiner Kunst.

00:03:45: Das weiß ich gar nicht was ich sagen soll?

00:03:46: Sagen einfach ja!

00:03:49: Ja, nächstes, ich wollte auch noch kurz etwas zu diesem Reunion-Ding sagen.

00:03:53: genau weil.

00:03:55: Also wir haben auch davor nämlich extra gar nicht so viel geredet.

00:03:58: Wir haben telefoniert dann immer, wir reden jetzt am besten gar nicht um diesen Moment weil das schon.

00:04:03: also es kam mir im nachhinein gar nicht solange vor.

00:04:06: ich hatte das Gefühl dass sich jetzt auch an diesem termin und an diesem widersähen auch so dieses vergehen der zeit irgendwie plötzlich noch mal so anders.

00:04:14: also wurde mir nochmal so anders deutlich.

00:04:18: Ich finde es auch total gut, dass wir uns über dieses Buch jetzt unterhalten.

00:04:21: Weil wir ja beide auch so middle-aged Leute sind, die

00:04:24: dieses Buch vorkommen.

00:04:30: Das war tatsächlich für mich schon eine prägende Zeit, weil's auch die erste Zeit am Theater war wie bei dir auch und auch ne sehr bewegende Zeit dort am Haus, weil das Haus immer wieder von Schließungen bedroht Und ich weiß nur, wir haben keine Garschen mehr bekommen.

00:04:50: Das war ziemlich dramatisch und haben uns dann auch getroffen.

00:04:52: Alle haben die Spaghetti zusammengeworfen weil keiner mehr Geld hatte.

00:04:56: Ich habe in einer viel zu teuren Wohnung gewohnt, weil ich einfach schön wohnen wollte und wurde fast da rausgeschmissen.

00:05:02: Wir waren auf der Straße, haben demonstriert für den Goetheplatz.

00:05:06: Ja, das war schon irgendwie und wir haben schreckliche Inszenierungen zusammen gemacht.

00:05:09: Meine erste Inszenierung werde ich nie vergessen.

00:05:12: am Bremer Theater mit Tiertzerbrunnen waren wir zusammen und haben uns gleich irgendwie... Ich wollte eigentlich sofort wieder aufhören mit dem Beruf und Verena hat mich da auch so ein bisschen durchgegleitet.

00:05:25: Na ja, wir haben auf jeden Fall... Obwohl im Nachhinein heute denke ich wahrscheinlich war es eigentlich eine ganz coole Inszenierung.

00:05:30: Dachte ich auch!

00:05:31: Ja oder das haben wir damals nicht gecheckt?

00:05:34: Wir waren jung, wir waren selben, waren ja Mitte zwanzig beide genau.

00:05:38: Und jetzt sitzen wir hier und wissen glaube ich beide gar nicht so genau wie's geht heute Abend aber Wir machen es einfach.

00:05:44: Ich

00:05:44: glaube, das ist so ein bisschen die Aufgabe auch dieses... oder das ist, wir wissen nicht genau wie's geht aber wir legen einfach mal los zusammen.

00:05:55: Wollen wir vielleicht etwas lesen?

00:05:57: Ja,

00:05:58: lass uns was lesen!

00:05:58: Genau.

00:05:59: Lass uns meine Lesebrille aufsetzen und das hat sich geändert.

00:06:02: Ja, ich bin gerade an dem Moment, ich weiß nicht ob ihr das kennt, ihr seht alle so wahnsinnig jung aus, dass quasi wenn man noch nicht wirklich soweit isst zu entscheiden, dass man eine Lese Brille braucht Da bin ich gerade.

00:06:15: Also, ich denke irgendwas stimmt nicht aber es muss eigentlich an der Beleuchtung liegen.

00:06:20: Das ist der Anfang ja und dann geht's ganz schnell unterer Sandwerk ab bei mir was zumindest so.

00:06:24: vielleicht müssen wir trotzdem noch etwas zum Buch generell sagen worum es da geht und so das kann.

00:06:31: ah du hast sie jetzt schon zurückgelehnt dass ich das mache Ich war gar das auch nicht so gut Aber genau ich kann.

00:06:36: also es geht Es ist nun könnte man schon sagen Berlin Roman oder Großstadt Roman.

00:06:43: Ich glaube,

00:06:43: es ist wirklich ein Berlin-Roman.

00:06:44: Es ist schon was mit dieser Stadt zu tun?

00:06:47: Ja das stimmt.

00:06:48: Du hast recht!

00:06:48: Das ist ein richtiger Berliner Roman und es geht um drei Paare die alle so mittleren Alters sind kann man sagen so zwischen ich würde mal sagen vierzig und fünfzig oder ein bisschen drüber und sie sind alles so lose miteinander verbandelt nicht wirklich in Freundinnschaft kann man sagt sondern sogar eher oft oder im Gegenteil.

00:07:11: Sie treffen sich ja immer wieder zu gemeinsamen Essen, Monatsessen heißt das bei dir und du merkst einfach dass es sind schon irgendwie sowas wie Freundschaften.

00:07:20: aber darunter liegt ganz viel Wut und Neid und die haben keinen wirklich liebevollen Blick aufeinander und hast du wahnsinnig gut getroffen.

00:07:33: diese Feinheiten in kleinen Kommentaren, wie du Blicke beschreibst zwischen diesen unterschiedlichen Paaren.

00:07:40: Auch wenn du die Perspektiven wechselst, weil der Roman in Kapiteln geschrieben ist und quasi wo du immer zwischen den Paaren springst und auch immer zwischen jeweiligen Paaren in die männliche und die weibliche Perspektive gibt es so Time-Labs, wo du dann erst später verstehst, wie der andere eigentlich das Treffen erlebt hat.

00:08:04: super ist, weil sich dann ja du hast... Du gehst mit der einen Figur mit und auf einmal später merkst du das es ein Missverständnis war.

00:08:12: Wie die sich gegenseitig sehen oder auch nicht?

00:08:15: Weil sie schon geahnt haben dass sie sich eigentlich ablehnen.

00:08:18: also ich muss sagen als ich dieses Buch gelesen habe es wirklich krass weil du ja keine Figur geschrieben hast die wirklichen Sympathieträger isst.

00:08:29: Also ich hab mich wahnsinnig einsam gefühlt beim Lesen, aber irgendwie im besten Sinne.

00:08:34: Ich habe das mir angeguckt wie so ein... also ich habe auch meine Freunde erkannt zum Teil und natürlich auch mich erkannt.

00:08:41: Zum Teil, ich hasse alle Männer die da drin vorkommen.

00:08:44: So sehr ist es unglaublich!

00:08:47: Du triffst es so gut.

00:08:50: dieses um sich selber drehende weiche egozentrische sich breit machen von deinen Typen und die Kipps ja überall.

00:09:05: Das ist wirklich, habe ich mich auch gefragt ob das dein, war es ein Versuch dass so zu machen?

00:09:11: ist dir das passiert?

00:09:12: Was war, bevor du losgelegt hast?

00:09:15: was war die Vision?

00:09:17: wolltest du genau das eben erzeugen?

00:09:20: Oh Gott, ich weiß ja immer nie was sich überhaupt erzeugen oder machen will bevor ich anfange.

00:09:24: Wie glaube ich ganz viele von meinen Kolleginnen dass man erstmal überhaupt nicht so richtig weiß wo geht die Reise hin?

00:09:31: Ich muss sagen, ich habe die ersten Texte zu Medulla habe ich geschrieben gleichzeitig mit den ersten Texten meines letzten Romans und dann das der letzte Roman war ja der zweite Roman und der Zweite ist ja anscheinend der schwierigste und fand ich auch also da war ich auch ständig so nah am Abgrund hab gesagt es führt alles nichts und so und hat war irgendwie unsicher in welche Richtung ich gehen will und dann, ich wusste irgendwie muss mit dem anderen gehen.

00:09:53: Und als der dann fertig war, dann fällt man ja erst mal in so ein Loch so ein bisschen und dann hab' ich das wieder rausgeholt, habe es damals auch einer befreundeten Autorin gezeigt und die meinte, ja mach', das passt doch jetzt auf wie besser!

00:10:05: Und hab' dann dort, hab' angefangen mal so weiterzuschreiben.

00:10:09: aber das finde ich aus heute.

00:10:11: also damals, als sich damit anfing, war ich sozusagen... Also war ich ja einfach zehn Jahre jünger oder warte mal?

00:10:18: doch zehn Jahre jünger genau das war so zwei tausend fünfzehn und ich habe das gefühlt es hat sich jetzt also es hat irgendwie zeit gebraucht um überhaupt noch mal bearbeitet zu werden.

00:10:30: Und ich hab auch am Anfang nur mit den frauen als ich bin mit den Frauen gestartet und habe dann gemerkt, dass geht mir eigentlich um diese Beziehungsdynamik und die kann ich nicht bearbeiten wenn ich die Männer quasi nur aus der weiblichen Perspektive zeige Genau, und dann ist das irgendwie so entstanden.

00:10:49: Ich fand es wahnsinnig mühsam muss ich sagen.

00:10:51: also wie aber immer ja irgendwie... Es war sehr mühsam und zwar der ist ja sehr ineinander verschachtelt.

00:10:57: Das gibt verschiedene Timelines.

00:10:59: Also es geht auch da alle drei Frauen.

00:11:02: Gleich wichtige Infos sind schwanger in unterschiedlichen Stadien ganz konkrete Timelines, an die man sich halten muss.

00:11:12: Und das war dann so später in der Montage irre anstrengend und ich will es auch nie wieder machen.

00:11:17: also ich werde weiß ich nicht jetzt nur noch aus einer Perspektive keine Ahnung aber ich habe mich darin halt sehr erschöpft.

00:11:25: Aber ich fand es im Nahen eine gute Erfahrung also so sich da mal durch zu beißen.

00:11:31: und was hier diese Paare angeht... Also ich hab ja Kinder beobachte quasi seit fünfzehn Jahren andere Eltern auch und Paare, also in den unterschiedlichsten Stadien ihrer Beziehung.

00:11:48: Und es ist auch so eine interessante ... Also Eltern sind ja auch interessante Spezies irgendwie weil die so... Ich habe tatsächlich am Anfang oder wenn ich mir jetzt meine Kinder sind an der Gesamtschule das heißt sie sind ja von der ersten in der Regel bis zur dreizehnten oder zwölften Klasse zusammen Und man sieht dann, wie Jahr für Jahr diese Paare auseinanderbrechen.

00:12:14: Manche von denen kriegen im letzten Moment aber noch ein Kind zum Beispiel und so ein bisschen ... Das war die Idee, da sind ja irgendwie alle.

00:12:23: Genau!

00:12:27: In den oberen Klassen ist eigentlich niemand mehr zusammen.

00:12:31: Also es funktioniert nicht.

00:12:34: Also die hetero-normative Beziehungsform.

00:12:36: Ja eben, das habe ich mich gefragt ob die konventionelle Heterobeziehung eigentlich vollkommen... also nach dem Buch denke ich so okay.

00:12:42: Überholt.

00:12:44: Wer versucht das denn auch?

00:12:49: Genau!

00:12:49: Ich hatte einfach Lust drauf mir das mal richtig anzugucken und wir können ja jetzt vielleicht mal was lesen.

00:12:57: Angeregt durch diesen Ort lesen wir jetzt da muss man vielleicht dazu sagen als Buch ist aufgeteilt in drei große Kapitel.

00:13:05: Es geht um Sif und Jan.

00:13:07: Das ist das erste Paar, dann das zweite Paar sind Layla und David, das dritte Paar Ester und Jakob.

00:13:15: Und jetzt, weil wir können ja in der kurze Zeit nicht alle Paare vorstellen, jetzt lernt man eigentlich das gesamte Figuren-Assemble mal kennen.

00:13:22: Und zwar Anlass ist der fünftigste Geburtstag von Jan.

00:13:25: Genau.

00:13:26: Wo ist es denn?

00:13:27: Welche Seite?

00:13:29: Einundzwanzig.

00:13:29: Alles klar.

00:13:31: Ach halt!

00:13:33: Wir brauchen Wasser.

00:13:36: Die

00:14:09: Rocket Epica Kaffeemaschine glänzt in der Morgensonne wie ein frisch polierter Wagen.

00:14:16: Jan hat den ganzen Vormittag mit der Pflege seines Lieblings Küchengeräts verbracht, die beiden Edelstahlkessel entkalkt und einer filigranen Bürste auch feinste Ritzen von Kaffeepulver befreit und die Siebträger mehrfach durchgespült Zum Schluss das Farb-Display vorsichtig mit einem Brillentuch gereinigt.

00:14:38: Zufrieden bereitet er nun sein ersten Espresso zu.

00:14:42: Sif ist schon aus dem Haus, hat sich gegen sieben aus dem Bett geschlichen und eine riesige Spreewaldkurke auf den Küchentisch hinterlassen in der eine pinkfarbene Kerze steckt.

00:14:54: Die Packung Streichhölzer liegt direkt daneben.

00:14:57: Jan hat eine Schwäche für Essigkurken und zieht sie jedem Stück Kuchen vor.

00:15:03: Schlecht eingelegte Gurken nimmt er deshalb persönlich und hat immer mehrere Gläser am Kühlschrank, die er ausschließlich in Feinkost oder Hofläden kauft.

00:15:14: Er setzt sich an den Tisch zündet die Kerze an, prostet sich selbst mit der Espresso-Tasse zu und legt die Füße auf einen Stuhl.

00:15:22: Der Blick durch das Panoramafenster zeigt ein bedeckten Himmel was ihn ärgert weil er sich diesen Tag immer sonnig vorgestellt hat.

00:15:30: Er bläst die Kerze aus und greift mit beiden Händen nach der riesigen Gurke.

00:15:36: Herzhaft beißt er hinein, sie ist saftig und spritzt auch in den letzten Schluck Espresso was erseufzend zur Kenntnis nimmt.

00:15:46: Er schiebt die Tasse zur Seite.

00:15:48: sein Blick fällt auf seinen Telefon.

00:15:50: erste Nachrichten sind eingetrutelt.

00:15:52: Herzen Feuerwerk Luftballons on Fire-Emojis.

00:15:56: Er überfliegt die Glückwünsche, bemerkt an sich eine leichte Enttäuschung über die wenig einfallsreichen und persönlichen Formulierungen auch darüber das niemand angerufen hat und steht auf.

00:16:08: Unter der Dusche holte er sich unmotiviert einen runter, stutzt anschließend seine Schamhaare mit einer Nagelschere und sprüht den Körper mit einem Meersalz-Body-Spray ein dass ihn mehrmals hintereinander niesen lässt.

00:16:23: Im Schlafzimmer steht er unentschlossen vor dem Kleiderschrank, zieht Leinenhemden und dünne Sommerpulover heraus, streift sie über und betrachtet sich im Spiegel.

00:16:32: Nichts sitzt so wie es sitzen soll!

00:16:36: Er will Lässigkeit und beiläufige Eleganzausstrahlen.

00:16:39: stattdessen zeichnet sich in allem deutlich sein Bauch ab – er sieht blass- und kränklich aus.

00:16:46: Es spürt einen kurzen Anflug von Verzweiflung, kämpft das Gefühl nieder und schaut auf die Uhr.

00:16:53: Greift nach Seinen nachtblauen Samtanzug von Herrn von Eden, für den er schon viele Komplimente bekommen hat und der für diese Jahreszeit eigentlich zu warm ist.

00:17:04: Als er sich gerade ein cremfarbenes Baumwoll-Shirt über den Kopf ziehen will klingelt sein Telefon.

00:17:10: Es ist Ellen!

00:17:11: Sie beginnt Happy Birthday zu singen aber Jan wirkt sie nach ersten Tönen ab.

00:17:17: Soll ich doch schon kommen?

00:17:18: Nein, sie fand ich haben alles im Griff.

00:17:21: Du wär kein Problem

00:17:22: Mach doch mal was nur für dich!

00:17:27: Schlecht gelaunt legt er auf.

00:17:30: Zwei Espresse später macht sich dann auf den Weg.

00:17:33: Die Sonne ist rausgekommen, trifft ihn unvermittelt Als er aus der Haustür tritt.

00:17:36: Das Sackhoh über dem Arm Geht er in der brütenden Nachmittagshitze Ein Stück die Dudenstraße entlang Schaut sich immer wieder nach einem Taxi um Winkt schließlich eins heran.

00:17:47: Er bittet den Fahrer die Musik lauter zu stellen, kippt sich eine halbe Packung Minstiktax in den Mund und lutscht an den kleinen Pillen herum während der Berliner Westen zu neunziger Jahre Euro-Trash-Bessen an ihm vorbeizieht.

00:18:01: Er legt dann spannend den Kopf zurück... ...kann ich hier rauchen?

00:18:06: Auch der Fahrer zündet sich einer an und sie kommen ins Gespräch.

00:18:09: das übliche.

00:18:10: Wetter und Verkehr!

00:18:11: Die Konkurrenz durch Uber Lokalpolitik.

00:18:15: Ich hab heute Geburtstag Sagt Jan, als eine Pause entsteht.

00:18:20: Echt?

00:18:21: Ja wir fahren gerade zu meiner Party!

00:18:23: Der Fahrer pfeift.

00:18:25: Glückwunsch.

00:18:25: wie alt?

00:18:26: Ähm

00:18:27: was denkst du?

00:18:29: Keine Ahnung...

00:18:31: Er mustert ihn über den Rückspiegel grinst.

00:18:34: Dreißig?

00:18:37: Macht die an und dabei strömt Qualm aus seiner Nase.

00:18:42: Im Lab hat Zieht der Kartoffelsalat in riesigen Glasschüsseln, während Risotto und Suppe verteilt auf mehrere Töpfe auf dem Herd köcheln und die Hühnchen ins Zitronensoße in großen Brättern im Ofengaren.

00:18:56: Jan schaut Ellen über die Schulter, die vor sich

00:18:59: hinsäuft."

00:19:02: Ich ändere die Sitzordnung schon jetzt zum fünften Mal!

00:19:06: Also von mir aus können alle sitzen wo sie wollen", sagt Jan lehnt sich über den Tresen und zappt sich von hinten ein Bier.

00:19:13: Er geht zu Sif, die am Kopfende der langen Tafel telefoniert.

00:19:17: Die Blumen kommen nicht rechtzeitig.

00:19:18: Der Lieferwagen ist liegen geblieben.

00:19:20: Ich hol schnell einen Strauß vom Blumenladen die Ecke runter.

00:19:22: Sie

00:19:24: will aufstehen aber Jan hält sie am Arm fest.

00:19:27: Bitte bleib!

00:19:29: Er setzt sich neben sie vergräbt seinen Kopf in ihrem Schoß.

00:19:32: Oh je...

00:19:33: ...sie krault sein Nacken.

00:19:34: Das ist doch jetzt sehr intimental.

00:19:37: Natürlich gehört sich das nicht so zum Ende einer Ära.

00:19:41: Welcher Ära genau?

00:19:44: Der Jugend?

00:19:45: Der verlängerten Jugend,

00:19:47: meinst du.

00:19:47: Ja okay also der unverantwortlich in die Länge gezogenen Jugend.

00:19:54: It's about time!

00:19:56: Jan bleibt auf dem Boden oder nicht, Jan stöhnt auf lässt sein Stuhl nach hinten umkippen und gleitet zu Boden.

00:20:03: Sif beugt sich über ihn und kneift ihm in die Backe.

00:20:06: So groß ist er geworden, unverantwortlich groß.

00:20:08: Sie steht auf.

00:20:09: Ich hole jetzt diesen verdammten Strauß.

00:20:12: Jan bleibt auf dem Bodensitzen, angelt das Bierglas vom Tisch und schaut zu Tür durch die in diesem Moment David kommt Leila dicht hinter ihm.

00:20:21: Sind wir die ersten?

00:20:23: Wie immer!

00:20:23: Er postet den beiden zu, zieht das Bier ein wenig schlucken runter... ...und hieft sich hoch.

00:20:29: Glückwünsche um Armungen.

00:20:30: Jan tritt einen Schritt zurück, mustert die beiden Lob-Leilers Outfit Ein fliederfarbenen weit geschnittenen Leinenanzug Zu begen Lederhalbschuhen Und Jan und schaut zu David, der ein weißes Wien-Eck schwarze Bootcut jeans und Sneaker trägt.

00:20:48: Zu Jugendlich heute!

00:20:51: Sagt Jan und packt David um die Hüfte.

00:20:54: Ist das schon die Midlife Crisis, die mir noch bevorsteht?

00:20:57: Er boxt David gegen die Schulter, legt den Arm um ihn und führt ihn in die Küche während Layla Ellen begrüßt.

00:21:03: Jan hebt einen Topfdeckel an, fächelt David mit der Hand den Dampf zu, der Anna erkennt nickt und nach einer kleinen Portion Kartoffelsalat fragt.

00:21:13: Mit Salatgucke?

00:21:15: Interessant ist das Rezept deiner Eltern?

00:21:18: Fragt er Count!

00:21:19: Ja alles heute Abend nur die Vegan-Sachen nicht.

00:21:22: Wie viele Leute kommen denn?

00:21:24: Keine Ahnung frags sie oder Ellen.

00:21:27: Er nimmt ihm die Schüssel aus der Hand, löffelt schmatzen den Rest aus und geht zur Schwingtür.

00:21:32: Legt, lugt durch das eingelassene Fenster des Leppert füllt sich Freundinnen und Bekannte alle herausgeputzt einige, die er lange nicht gesehen hat manche die er lieber noch länger nicht gesehen hätte.

00:21:46: Der plötzliche Drang sich heimlich zu verabschieden durch die Hintertür zu verschwinden diesem Abend davon zu laufen.

00:21:53: Stattdessen stürst er die Tür aufruft Was zur Hölle wollt ihr denn alle hier?

00:21:57: Seid doch alle viel zu jung für mich!

00:22:00: Als die Gäste sitzen, steht Jan auf.

00:22:03: Ich hoffe niemand hat eine Rede vorbereitet.

00:22:06: Er schaut man in die Runde Zeig mit dem Finger von einem zum anderen Lachend Kopf schütteln Ellen die abwährende Arme hebt David du?

00:22:15: Ach

00:22:15: ich bitte dich

00:22:16: Gut dann bin ich beruhigt.

00:22:18: Also Leute wir machen das ganz normal ein ganz normales Abendessen bisschen was trinken bisschen unterhalten.

00:22:24: Bitte keine Ständchen und nix selbst Gedichtetes.

00:22:28: Ich freue mich einfach, dass ihr euch alle in dieses Mediocre-Speise lokal begeben habt.

00:22:34: An dieser Stelle pfeifen einige seiner Gäste.

00:22:37: Okay okay sagen wir Dank Ellen und meinem fantastischen Team in ein ganz passables fast Sterne lokal Begeben habt zu diesem wenig spannenden Anlass.

00:22:47: Und jetzt ruft er und haut auf den Tisch Erstfreunde, werdet satt und bleibt nicht zu lange.

00:22:53: Ich brauche ab heute viel mehr Schlaf wie ihr euch bestimmt vorstellen

00:22:56: könnt.".

00:22:57: Er macht eine kleine Verbeugung.

00:22:58: die Runde klatscht und Siff die am anderen Tischende sitzt zwingert ihm zu.

00:23:04: Der Rest des Abends perlt dahin wie die zwei Dutzend Flaschenkrimon Die die Kellner in ohne Pause in die Gläser der Gäste füllen.

00:23:13: Über der Szene abgestandene Hitze die die Gesichter rot glänzen lässt.

00:23:18: Jan hat sich ein Stück Abseits gesetzt, spürt wie die Nässe seiner Achseln das Shirt durchdrungen hat, sich ins Futter des Sackhos frisst.

00:23:27: Er ist zu eitel es auszuziehen, fächert sich stattdessen mit der Weinkarte Luft zu und beobachtet die Runde.

00:23:34: Geöffnete Blusen auf gekrempelte Hemdsärmel angetrunkenes Gekicher – er ist zufrieden ohne genau zu wissen weshalb!

00:23:44: Sif, die auf Hannas Schoß sitzt.

00:23:47: Die Arme um ihren Hals geschlungen mit ihr flüstert.

00:23:50: Die Augen leicht glasig vom Alkohol.

00:23:52: das Lachen, dass sie nur bei ihr benutzt.

00:23:55: Hannah, die sich ihm zuwendet, ihr Glas in seine Richtung hebt hier gegenüber Layla, die die Haare mit einer Gabel festgesteckt hat an Davids Schulter gelehnt zu Dösen scheint.

00:24:11: Macht doch mal eins auf!

00:24:13: Ruf David plötzlich, der seinen Blick wahrgenommen hat.

00:24:16: Jan Reuspert sich... Was meinst du?

00:24:20: ...David und einige andere zeigen auf die Geschenke, die sich neben ihm auf dem Tisch stapeln.

00:24:25: Jan stöhnt.

00:24:26: Ja bitte!

00:24:27: Sagen Sif und Hannah.

00:24:28: gleichzeitig Erwendet sich wieder will ich dem Haufen zu Fischt eines heraus eine vergriffener Ausgabe des Gourmands Magazins, die ihm noch in seiner Sammlung fehlt.

00:24:39: Wow Die Burgerausgabe Ellen das ist von dir oder Er nickt verlegen, er greift nach einem weiß eingeschlagenen quadratischen Paket.

00:24:48: Ein Bilderrahmen kommt zum Vorschein und sagt David und treibt sich nervös über die Stirn.

00:24:54: Ist das von dir?

00:24:56: Er nickte.

00:24:57: Jan betrachtet das Bild eingehend.

00:25:00: Soll ich das ein?

00:25:02: David zuckt unentschlossen die Schultern während Laila ihm die Hand auf den Arm legt.

00:25:07: Ich dachte für hier.

00:25:09: Sagt der Leise

00:25:10: oder für zu Hause Oder gar nicht?

00:25:12: Er lacht, nimmt einen großen Schluck Rotwein und verschluckt sich.

00:25:16: Muss husten!

00:25:17: Leila klopft ihm schnell auf den Rücken.

00:25:20: So siehst du mich also.

00:25:22: Jan schaut ihn ernst an.

00:25:24: Muss ich mir Sorgen um meine Gesundheit machen?

00:25:28: David wird von einem neuen Hustenkampf geschüttelt kann nichts erwidern.

00:25:35: Jan gießt sich vodka nach.

00:25:37: Noch eins fragt er, wendet sich von David ab Und der Runde zu und schlägt die Beine übereinander.

00:25:43: Zunehmendes Jolen Er schält ein Glas mit schwarz glänzenden Kugeln in Murmelgröße aus blassgrünem Seidenpapier.

00:25:53: Was ist das?

00:25:54: Lakritz!

00:25:56: Das war Ester, die eine kleine Wasserflasche in der Hand halten.

00:26:01: neben Leila sitzt.

00:26:02: bis auf die kirschroten Lippen ist sie ungeschminkt trägt die rotblonden Haare straff zurückgebunden und ein weißes weites Männerhemd dass bis oben zugeknüpft ist.

00:26:12: Sie ist die Einzige, die ihm noch nicht gratuliert und kein Wort über das Essen verloren hat.

00:26:18: Schwarze Juwelen der Lakritzkunst

00:26:21: sagt sie mit einem ironischen Unterton.

00:26:24: Dänische

00:26:25: fügt Jakob hinzu, der ganz in schwarz gekleidet ist und an einer Saftschorle nippt.

00:26:32: Macht Jan und bedankt sich Moment mal.

00:26:35: wer hat euch eigentlich eingeladen?

00:26:38: Gelächter!

00:26:39: Jan wiegt das Glas in seinen Händen.

00:26:42: jeder weiß dass er Lakritz hasst.

00:26:44: Er hält.

00:26:44: lächelnd ist das Blick, als er es mit einem lauten Plopp öffnet und sich einer der Kugeln lässig in den Rachen wirft.

00:26:52: Sehr fein sagt er lutschend kaut verzieht das Gesicht und reicht das offene Glas in die Runde.

00:26:57: bedient euch Freunde!

00:26:59: Sie haben die großen bodentiefen Fenster auf und die Schische an die Wände geschoben Das Licht gelöscht und Kerzen aufgestellt.

00:27:07: Jan taumelt durch den Raum, wippt zum drängenden Pochen der Besse hin und her.

00:27:12: Streift immer wieder Leute die die Arme um ihn legen in tanzend Umkreisen oder ihm Weinen aus ihren Gläsern in den geöffneten Mund gießen.

00:27:21: Ellen steht hinter dem Tresen neben Lemm, der die Schürze noch umgebunden im Kontrast zu allen anderen nahezu regungslos das Mischpult über sein Smartphone bedient.

00:27:32: Sein Gesicht liegt im Dunkeln.

00:27:34: Um Jan hat sich ein Kreis Tanzender gebildet, er stolpert stürzt zu Boden und bleibt lachend liegen.

00:27:40: Sif wirft sich auf ihn zieht Hannah mit.

00:27:43: auch die übrigen Gäste lassen sich fallen wälzen sich im größer werdenden Kneil zum Musik hin und her aus dem sich Jan nach kurzer Zeit herauswindet.

00:27:53: Er rappelt sich hoch und läuft nach draußen.

00:27:56: nass geschwitzt und schwer atmend steckt er sich eine Zigarette an und schaut in den Himmel.

00:28:02: Stern klare Nacht Endlich erträgliche Temperaturen.

00:28:06: Was jetzt kommt, denkt er?

00:28:08: Nimmt einen tiefen Zug und breitet die Arme aus kann nur grandios werden.

00:28:13: Fucking grandios!

00:28:15: Huft er einer vorbeilaufenden Gruppettini hinterher und lässt sich rückwärts in einem der Terrassen-Sessel fallen wie ein weiches warmes Bett.

00:28:28: Danke Tristan.

00:28:39: Fucking grandios.

00:28:40: So geht's weiter, genau richtig grandios!

00:28:44: Ja, ne ganz so grandios geht es ja nicht weiter bei denen, das kann man nicht so sagen.

00:28:47: Das

00:28:47: kann man sich so sagen.

00:28:48: eigentlich geht es tatsächlich in keinem dieser Paare so richtig grandius zu.

00:29:00: erzählt mal ein bisschen wie du vielleicht wieder zu diesen Figuren gekommen bist.

00:29:04: Man fragt ja immer welche Figur liegt ihr am meisten am Herzen oder sowas.

00:29:07: aber Es sind ja vor allem einfach wahnsinnig starke selbstbestimmte Frauenfiguren, die aus im Prinzip alle drei ausbrechen.

00:29:19: Aus diesen Beziehungen, oder?

00:29:24: Zähl mal ein bisschen dein Prozess wie die zu dir gekommen sind.

00:29:30: Ja dadurch dass ich ja immer... Ich glaube das ist ja noch so der Rest Theater, der in mir lebt.

00:29:37: Da ich ja immer eigentlich von den Figuren ausschreibe.

00:29:41: Er gibt sich in der Regel eine Figur aus dem nächsten.

00:29:44: und hier war es auch so, es ging tatsächlich los mit Sif.

00:29:53: ich glaube das hat auch ein bisschen mit diesem Prozess des vorherigen Buchs zu tun.

00:29:59: Ich kam ja gerade aus diesem Kampf wo ich die ganze Zeit irgendwie nicht genau wusste was mache ich da eigentlich?

00:30:04: In meinem letzten Buch gings Power Gings um ein Mädchen, das in einem Dorf einen verloren gegangenen Hund sucht.

00:30:12: Und ich hab die ganze Zeit gedacht was ist das für ein komisches Thema?

00:30:16: Für den Buch.

00:30:16: also warum schreibe ich das so?

00:30:18: und habe halt immer mit mir gekämpft und wusste nicht, was ich da mache.

00:30:22: und dann als es vorbei war, war ich so erleichtert und hatte irgendwie das Gefühl, ich wollte eine Figur erschaffen, die komplett frei ist und das war siff!

00:30:35: Die Frage stellt sich ja im Laufe des Romans, warum kann sie so frei sein?

00:30:40: Was sind die Bedingungen oder... ...die Verabredung.

00:30:43: Genau!

00:30:44: Sie hat ja andere Voraussetzungen im Leben gehabt als viele der anderen Figuren.

00:30:51: Das wird auch hinterfragt teilweise weil sie lebt nicht nur mit Jan.

00:30:55: Also Jan ist sozusagen Ja, ihr Einkommen oder überhaupt ihr Auskommen sichert.

00:31:01: Also sie arbeitet nicht.

00:31:03: Sie ist DJ'n gewesen aber auch nicht so richtig.

00:31:08: also die kommen ja alle.

00:31:09: das ist ja auch so ein bisschen.

00:31:11: es sind so Leute die wahrscheinlich den Großteil ihres Erwachsenen Lebens gefeiert haben in Berlin und da auch teilweise deswegen nach Berlin gekommen sind Und jetzt ja an so einer Schwelle sind so ein bißchen los zu.

00:31:23: wie geht's jetzt weiter?

00:31:24: Und genau und für mich war war Sif so glaube ich, kommt so ein Befreiungsschlag.

00:31:30: So dass sich wieder alles machen kann was ich will und dann auch so von der Sprung vom Dorf in die Stadt zurück aber gleichzeitig auch belastet.

00:31:37: also weil ich weil ich ja sonst nicht so... Also ich habe das Gefühl ich hab noch in keinem Buch so konkret Dinge benannt oder Orte benannt.

00:31:47: Ich hab das Gefühl mit den anderen Büchern waren immer die schwebten immer mehr so.

00:31:51: Also zeitlich aber auch was den Ort angeht.

00:31:56: Ich habe gedacht, ich probiere das jetzt mal aus und ich habe mich sehr unwohl damit gefühlt am Anfang.

00:32:02: Aber habe es dann durchgezogen?

00:32:03: Und tatsächlich sind die Figuren... Also so ist Sif entstanden.

00:32:06: Aus Sif hat sich dann recht schnell Hannah ergeben mit Hannah.

00:32:11: Hat sie auch einfach eine Art Nebenbeziehung und dann ist Hans entstanden, mit dem sie auch eine Neben-Beziehung hat usw.

00:32:17: Also Sif liegt einfach so durch die Stadt und man folgt ihr wahnsinnig gerne.

00:32:21: Sie ist total ... natürlich also absolut kompromisslos und geht quasi so vielleicht, könnte man sagen, einen halbwegs überleichen.

00:32:30: Also zumindest über die ihrer Beziehungen vielleicht.

00:32:33: aber es ist wahnsinnig toll ihr zu folgen und sie auf jeden Fall sowie alle deine Figuren.

00:32:38: und das wäre auch für mich eine Frage ob eben so ne Verfilmung oder so nicht absolut sein müsste weil das also Wahnsinn... du schreibst eben Figuren ... um einen Plot voranzubringen, habe ich das Gefühl.

00:32:55: Sondern du schreibst so wahnsinnig... Also die Figuren mit einer ganz starken Wirkung der krassen Psychologie,... ...die aber nicht wirklich ausgesprochen wird und folgst denen so.

00:33:08: Und es ist wie ein Zustand, in dem man so dauernd geworfen wird von dir.

00:33:13: Das finde ich wirklich... Und das ist was ich am Film mag wenn er gut gemacht ist.

00:33:20: wenn du so in ein Leben reinguckst, was eben so wahnsinnig roh und auch hässlich wie unsere Leben zum Teil sind.

00:33:29: Wenn das so gezeigt wird – und das machst du so wahnsinnig genau, wie du beschreibst, wie die sich angucken, wie sie nicht ertragen kann.

00:33:36: Wir atmet oder wir keine Ahnung...

00:33:42: Kaut!

00:33:44: Wie er riecht all diese Sachen, wenn die Liebe so gegangen ist.

00:33:50: Oder nie

00:33:50: da war vielleicht?

00:33:51: Ja oder nicht da war und man selber aber darin gelandet es in diesen Langzeitbeziehungen auch.

00:33:57: Das hat eben was Wahnsinnig Filmisches und Verstörendes und gleichzeitig wahnsinnig Aufregendes finde ich.

00:34:07: weil du ganz schonungslos schreibst finde

00:34:11: Ich finde es interessant, weil du hast mir ja noch... Also ich konnte dir nicht ganz gucken.

00:34:15: Aber lustigerweise kommt jetzt bald ein Film mit dir

00:34:21: ins Kino.

00:34:22: Ja der ist schon am Kino!

00:34:23: Ah der ist auch schon?

00:34:24: Ah ja ihr könnt euch den Film angucken mit Tristan.

00:34:26: Sebertical heißt er ne?

00:34:28: Genau und da hast du mir jetzt noch den Link geschickt dass ich ein bisschen reingucken konnte und das ist ja auch so interessant.

00:34:34: Du hast diesen Film gemacht wir treffen uns reden über dieses Buch und es geht ja in dem Film im Grunde genau um diese Thematik Und dieses Paar ist, ich hab die so als Anschluss.

00:34:44: Also das ist für mich also als Anschluspaar an das letzte Paar.

00:34:49: Das hätte fast wie ein viertes Paar sein können!

00:34:52: Ja es ist quasi der Versuch... Also quasi dein, ein paar was du noch geschrieben hättest würde jetzt sich entscheiden okay wir gehen einen jahr nach griechenland und versuchen es nochmal.

00:35:02: Wir haben irgendwie dieses kind das ist jetzt sieben Und wir können auch reisen und ich kann remote arbeiten.

00:35:08: und du also in dem film ist meine figur mit einer autorin zusammen die gewisse schreibblockade hat und Die er ermahnt sie auch immer sie soll doch jetzt endlich mal etwas schreiben damit sie wieder irgendwie ein bisschen Na ja, irgendwie erträglicher ist oder so.

00:35:23: Das ist die seine Erhaltung.

00:35:24: Es hilft richtig gut!

00:35:25: Es hilft wie er es macht.

00:35:28: Er schenkt dir auch immer ganz gerne so Notizbücher und solche Sachen.

00:35:31: Also Leute, die Schreibblockaden haben kriegen gerne als Geschenke Füller und also falls ihr jemanden kennt.

00:35:38: Ist das sehr gut?

00:35:41: Auch ein Film, der ähnlich wie dein Buch jetzt nicht unbedingt einen Happy End hat.

00:35:45: Auch ein bisschen offenes Ende und auch was ja oft im Privaten so passiert, dass man sich fragt warum trennt ihr euch eigentlich nicht?

00:35:52: Also warum macht ihr das so lange miteinander?

00:35:56: Und dann andererseits ich privat denke dann auf... Man muss auch irgendwie so... Habs vielleicht konventionell gedreht oder so.

00:36:01: aber... Dass man da so durchliebt noch irgendwie oder glaubt oder sich so kommen wir machen es noch eine Weile und vielleicht wird's dann gut und manchmal wird's auch wieder gut

00:36:12: Okay.

00:36:13: Aber ...

00:36:14: Durchleben ist auch ein ganz gutes Wort?

00:36:16: Ja, also deine Figuren gehen ja wirklich... Also das schaffen es ja alle am Ende.

00:36:22: Es ist ja keiner mehr zusammen.

00:36:24: Jetzt

00:36:24: hast du krass gespoilert!

00:36:26: Vielleicht, ich weiß es nicht genau.

00:36:29: Hätte ich das Buch zu Ende gelesen aber da waren noch diese fünf Seiten und ich glaube da passiert doch richtig viel.

00:36:36: Ich wollte dich auch fragen weil du sagst in einer Ganz grausam Szene in dem Film.

00:36:42: Es ist eh, also mich hat wirklich geschockt wie die miteinander sprechen.

00:36:44: Also es ist nochmal so ein Notch irgendwie drauf oder einen Hörer, wie sagt man?

00:36:50: Genau und da gibt's eine Szene... Das ist ja zwischendrin gibt das immer wieder so, wo hat man das Gefühl, es gibt noch so liebevolle Anleihen.

00:36:59: Man sieht deren Geschichte, deren Historie, also wie das mal war und wie ähnlich das vielleicht auch mal war Und dann kippt es aber von einem Moment zum nächsten in wirklich, wo man das Gefühl hat also totale Verzweiflung und auch Hass.

00:37:17: Die Art und Weise wie die miteinander sprechen ist so grausam.

00:37:20: Also da ist jede Hürde gefallen.

00:37:24: Es gibt überhaupt keine Grenzen mehr, die nicht... Aber du sagst an einer Stelle eben zu deiner Partnerin deinem Film.

00:37:35: Du machst aus mir jemanden, den ich hasse.

00:37:38: Und das fand ich ... Da hab' ich dann so gedacht, dass ist jetzt auch mit Blick auf... Das könnten glaube ich auch einige meiner Figuren sagen.

00:37:43: Es ist ja auch lustig weil der gibt's ja so ab an sie in dem Moment und sagt du bist!

00:37:47: Du machst es aus mir da und nicht ich oder wir zusammen.

00:37:52: Also wie habt ihr das gemacht?

00:37:54: Ich habe mich vorgestellt, dass kann man diese Nähe erzeugen.

00:37:58: Man muss wahrscheinlich gut probend davor.

00:38:02: schon relativ tief reinversenken und auch sich wirklich diesen Abgrund echt anschauen?

00:38:09: Ja, natürlich.

00:38:10: Also am Ende ist es einfach ein gutes Buch was einen dahin bringt solche Szenen spielen zu dürfen.

00:38:18: und natürlich ja klar.

00:38:21: also wenn man weiß dass wir Schauspieler sind dann macht man das auch weil man in den Abgrund schauen will und der einen interessiert und das passiert gar nicht so oft Bücherkriege auf dem Tisch, wo es eben so schronungslos zur Sache geht.

00:38:35: Und deswegen bin ich sehr glücklich über den Film und würde jedem ans Herz legen weil das ein kleiner Arthausfilm ist.

00:38:41: Weil solche Filme und ähnlich auch wenn's dann um Verfilmungen von solchen Stoffen wie deinem Buch geht wahrscheinlich gibt sie einfach nicht so oft, weil Sie eben kommerziell jetzt erstmal den Einschein machen als könnten sie nicht erfolgreich sein.

00:38:55: Ich glaube aber dass die einem breiten Publikum zugefügt werden müssten, weil da ganz viel Erlösung und Teilungen drin liegt sich das anzugucken.

00:39:07: Genau, ich hab jetzt ja nicht gesehen wie der Film zur Ende geht aber ich merke jetzt immer so ein bisschen in der Rezeption auch meines Romains was mich fast so ein bißchen traurig stimmt dass ich so das Gefühl habe Ich wollte ja wie so eine Lupe einmal draufhalten.

00:39:26: Ich glaube, wenn man egal in welche Beziehung so nahe reinguckt, dann findet man diese Dinge.

00:39:35: Und ich habe teilweise das Gefühl... Deshalb würde mich interessieren, wie sich der Film da auflöst am Ende.

00:39:47: Es geht ja gar nicht nur darum, diesen Abgrund zu zeigen oder sich daran zu... Also das kann ja auch so eine ganz feine Grenze hinzu und beim... Sorry ich habe mich jetzt irgendwie vermerkt.

00:40:01: Wie heißt es hier?

00:40:02: Ich hab mich verwurschtelt aber so war's auch während der Arbeit die ganze Zeit!

00:40:06: Nee, tatsächlich ist es bei mir manchmal an der Grenze zu satire.

00:40:10: Das findet in dem Film jetzt nicht statt.

00:40:14: wirklich nur so das Ende gezeigt.

00:40:17: Es hat

00:40:17: schon auch ein bisschen ... Okay, da war

00:40:19: ich noch nicht soweit.

00:40:19: Ich glaube,

00:40:21: natürlich weil.

00:40:21: also bei uns gibt es dann so einen Familiengericht, wo die dann immer alles zusammensitzen und jetzt wird der Vater, der da vorne am Tisch sitzt, er sagt dann okay jetzt muss jeder seine Seite mal zeigen und so.

00:40:32: und es sind halt wie du sagst eine Lupe.

00:40:34: man hält ne Lupe auf einer Beziehung.

00:40:36: Also wenn ich will wissen wie es anderen, also wenn in den schmerzhaften Momenten geht.

00:40:42: Das ist das was mich interessiert.

00:40:43: ja ich will da reingucken und deswegen ja so... Ich finde es gut dass du diese Lupe so genau da, also du sitzierst das ja.

00:40:55: Genau und das wollte ich euch gerade sagen.

00:40:57: Also es ging mir gar nicht so sehr darum, also ich wollte die Figuren nicht bloßstellen Und das könnte man ja annehmen, wenn man so ... Ich wollte die nicht bloß stellen.

00:41:07: Sondern ich wollte tatsächlich gucken wie... Also was passiert gerade?

00:41:11: Weil das ja sage ich mal so diese cis-heteronormative Beziehungsform ist ja die, die am meisten geschützt ist und auf die... Wo ich mich dann immer frage, aber das funktioniert ganz offensichtlich nicht!

00:41:27: Und wenn man da halt... Absolut!

00:41:29: Sozusagen bist du

00:41:30: absolut!

00:41:32: Oder zumindest ist es

00:41:34: so schmerzhaft.

00:41:37: Es kann schon das Ertragen auch mal so gezeigt zu werden, weil das ja die Realität.

00:41:43: Ja also dieses... Also mir ging's.

00:41:47: beim Film hatte ich das Gefühl da hat sich für mich auch fast ein bisschen was gelöst, weil ich ja trotzdem schaut man diese beiden Figuren an und sieht ja was dafür Leid drunter is'.

00:41:56: Also dass die dahin überhaupt gekommen sind.

00:41:58: Und das ist ja ähnlich wie im Buch, es ist auch so und man das halt nicht vergisst da war mal was oder weil es gibt ja auch ein paar, der sagt die Figur irgendwann das letzte Paar, dass sie gar nicht mehr so genau weiß, wie sie eigentlich in dieser Beziehung gelandet ist.

00:42:12: und das passiert hier auch.

00:42:13: also du schlitterst rein und bleibst dann irgendwie drin.

00:42:17: Und vor allem wenn dann auch ein Klinik ins Spiel

00:42:20: kommt, dass ja auch Thema deines Buches eine Schwangerschaft da ist und die Typen, die dann so quasi eigentlich voll davon ausgehen, dass das irgendwie jetzt gemacht wird oder dass sie einen Mitspracherecht haben.

00:42:36: Im Ende hat es natürlich auch eine Berechtigung.

00:42:40: aber wie du zeigst, wie zugegriffen wird auf den Körper der Frau finde ich super, wie du das beschrieben hast und wie vor allem auch Sif sich da überhaupt nicht für interessiert.

00:42:55: Und am Ende die anderen aber auch nicht.

00:42:57: Das ist wie so eine ... es finde ich irgendwie befreiendes so zu lesen.

00:43:02: Also ich glaube was ich probiert habe war also gerade wenn man sich das erste Paar, also Jan und Sif anschaut von außen betrachtet modernen Beziehungen leben.

00:43:16: Also er hat wirklich kein Problem damit, dass sie auch mit anderen schläft und Sachen macht und so.

00:43:23: Und in dem Moment – die waren sich immer einig – Sie wollen keine Kinder, auch eher!

00:43:27: In dem Moment wo sie unabsichtlich schwanger wird fängt bei ihm geht bei ihm was los.

00:43:33: Also so diese Frage, inwieweit kann man auch diesen Prägung?

00:43:36: Man erfährt ja dann bei ihm auch ein bisschen etwas über die Familie.

00:43:39: das ist ja nicht bei allen Figuren.

00:43:40: so habe ich auch bewusst so gemacht dass man beim manchen einfach sich diese Lehrstellen auch selber füllen muss weil klar das Familie und Herkunft immer prägt und erlebte Elternbeziehungen Das ist bei dem zweiten Mann zum Beispiel so auch gezeigt wird, der so ein sehr ungünstiges Familienmodell vorgelebt bekommen hat wo die Eltern so ganz ineinander verstrickt waren.

00:44:00: Affenliebe wird an einer Stelle gesagt und das Kind nie dazwischen gekommen ist.

00:44:04: Und genau und tatsächlich also diese Frage in dem Moment wo eine bürgerliche, jetzt kommt plötzlich eben die Frage Vater Mutter Kind und dann wird da was losgetreten durch all diese Prägung gesellschaftlichen Erwartungen Norm.

00:44:23: Und der Typ fängt plötzlich an, einen Hohl zu drehen und hat das Gefühl er kann sich nochmal verwirklichen.

00:44:28: Jetzt passiert noch mal was.

00:44:29: Er ist ja auch in dem Alter wo er das Gefühl hat viele Sachen sind schon gelaufen genau.

00:44:34: Das war glaube ich so das was ich mir ein bisschen näher anschauen wollte Genau.

00:44:42: Wir reden?

00:44:43: Ja.

00:44:44: Genau.

00:44:44: Zwarzig Jahre.

00:44:46: Sorry wir verarbeiten es noch.

00:44:48: Oh Gott ja.

00:44:49: Aber

00:44:49: zu gucke ich so hin denkst

00:44:52: du.

00:44:53: Warum ist sehr auch interessant?

00:44:54: Wie kommt das, dass man sich... Wir haben uns immer wieder mal zwischendrin geschrieben.

00:44:58: Also so ein paar Eckpunkte habe ich mitbekommen und dann auch weil... Das hab' ich irgendwie auch geteilt.

00:45:03: In mir hat dieses Treffen ganz viel ausgelöst.

00:45:06: also ich wusste es wird stattfinden.

00:45:09: Habe ich irgendwie plötzlich angefangen so Bilanz zu ziehen dachte so oh Gott was.

00:45:12: Es ist fast zwanzig Jahre her.

00:45:15: Wir sind zusammen gestartet am Theater, was hat Tristan gemacht?

00:45:17: Ich musste erst mal gucken, was hast du eigentlich alles gemacht?

00:45:19: Dann habe ich gesehen, was du alles Krasses gemacht hast!

00:45:23: Und ich bin ja so einen anderen Weg dann irgendwie eingeschlagen.

00:45:26: und das hat auch etwas mit einem Gefühl von Scheitern... Als Schauspielerin habe ich es jetzt nicht geschafft oder so.

00:45:39: Und dann fängt man plötzlich an In so komischen Kategorien zu denken, dass man es schaffen muss in was oder so.

00:45:45: Wie war dieser Übergang?

00:45:46: Du hast irgendwann gesagt okay jetzt ich bekomme Bock mehr auf diese Arbeitsweise und diese Un... Also Autorin wird mir ja auch nicht mal eben so und ist jetzt auch nicht der sicherste

00:45:57: Ding.

00:45:57: Oh nein!

00:45:57: Es

00:45:59: ist Wahnsinn das du das so... Da bist du dann einfach irgendwie reingesprungen oder wie?

00:46:04: Nee, nicht einfach.

00:46:05: Hast du immer schon geschrieben und hast es verheimlicht im Bremen?

00:46:08: Ja, hab ich verbrähmt und verheimlicht.

00:46:13: Genau tatsächlich als ich... Ich habe das immer nur so für mich gemacht und als ich meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte, es war beim Open-Mike, im Jahr zwölf, da haben wir wirklich auch aus meiner Familie Leute gesagt ach du schreibst!

00:46:25: Also es wusste tatsächlich keiner Ich habe gar nicht diesen Exit so geplant, ich wollte gar nicht aufhören in dem Sinne.

00:46:33: Aber ich hab im Nachhinein gemerkt wie lange ich schon auch gelitten hab unter diesem... Also vor allen Dingen Theater muss man sich vorstellen da sind ja schon zumindest damals herrschen echt noch ziemlich verkrustete Hierarchien.

00:46:45: Ich weiß nicht, da kannst du vielleicht mehr zu sagen, wie das heute ist aber...

00:46:50: Kannst Du nachher erzählen dann?

00:46:54: Ja oder es ist ja irgendwie... eigentlich erst im Nachhinein gemerkt, dass ich doch ganz schön unzufrieden war mit vielem.

00:47:03: Auch auch... Ich glaube, ich wollte autonomer sein.

00:47:06: letztlich also ich wollte mein eigenes Ding machen und ich habe ja auch ... Mein erster Roman war ja quasi so eine Rollenprosa wo ein sechzehnjähriger Junge im Mittelpunkt steht der so mega potent ist und alles macht worauf er bockert und so.

00:47:19: und ich hatte das Gefühl es war auch so ne Art Rache so immer diese.. Deine Rollen spielen, die du gespielt hast.

00:47:28: Am Theater habe ich nicht den Kosti auch so gespielt und das war tatsächlich dieser Wunsch autark zu sein, glaube ich.

00:47:38: In der Arbeit natürlich schon aber im Literaturbetrieb gibt es natürlich auch viele Abhängigkeiten und es ist tatsächlich noch prekär als Berufsheld als dieses andere.

00:47:50: Deswegen ist es toll, dass ... Dass du das machst und wachst, dass du auch Erfolg hast.

00:48:00: Ich frag mich eh gerade wie es weitergeht.

00:48:03: Also weil sich der Buchmarkt stark verändert hat ist es eben nicht selbstverständlich, dass wir noch weiter Bücher machen können und das merken viele von uns auch.

00:48:14: genau deswegen habe ich jetzt auch in den letzten Tagen manchmal gedacht Wieso bin ich eigentlich nicht dabei geblieben?

00:48:20: Warum habe ich das eigentlich so komplett aufgegeben?

00:48:22: Aber es war halt so und bräunes Quatsch.

00:48:28: Also du hast jetzt extrem viel gemacht in der Zeit, also du hast ja ganz viel gedreht.

00:48:35: Eigentlich drehst du mehr als du Theater spielst.

00:48:37: Ja quasi ich war dann durch irgendwelche... Ich hab eben das Glück, Polish kennenzulernen schon während der Schauspielschule Und das hat mich wahnsinnig geprägt und mich auch ausgerüstet für genau diese Strukturen.

00:48:55: Ich war irgendwie ganz gut ausgerüstet, den Bullshit schneller zu sehen... ...und er hat mich dann an die Volksbühne eingeladen und da war mein großer Traum.

00:49:12: Das ist lustig!

00:49:16: Will ich an die Volksbühne?

00:49:17: Und ich war dann eben schon mit ... Mit... mit... mit… mit... Fünfundzwanzig da und sechszwanzzig.

00:49:21: Und das war ganz, ganz großartig für mich.

00:49:23: Ich hab es geliebt, mit denen zu arbeiten – mit Kastorf und vor allem mit René.

00:49:26: Ähm... Und als dann aber kam so ein bisschen mehr des Drehen so rein und ich wollte eben auch autonomer sein und wollte selber entscheiden, jetzt ist es an der Volksbihne schon so dass man da nicht alles machen muss oder auch aussteigen kann aus Produktionen wenn's gar nicht geht oder sowas.

00:49:45: Aber ich wollte ganz, ganz frei sein und das habe ich dann gemacht.

00:49:48: Und hab dann so ein bisschen dieses Drehen rein gerutscht und hab Gott sei Dank immer wieder mit Polish arbeiten dürfen was auch irgendwie am Ende des Einzige war, was mich noch am Theater interessiert hat seine Texte und seine Art zu arbeiten und jetzt ist er leider nicht mehr unter uns und deswegen ist es auch der Faden ... für mich auch abgerissen.

00:50:14: zum Theater.

00:50:14: Das ist halt einfach so, und so ist es auch im Leben manchmal... Und jetzt drehe ich halt irgendwie meine Filme dann so.

00:50:22: Echt schließt du das aus für dich?

00:50:23: Oder dass du gar nicht mehr zurückgehst ans Theater?

00:50:26: Ja, ich

00:50:26: weiß nicht!

00:50:28: Ich gehe so wenig ins Theater.

00:50:30: Ich gucke mir das gar nicht so richtig an.

00:50:34: Alles was ich so sehe, finde ich macht nichts mehr mit mir.

00:50:39: wirklich so, dass ich hänge da auch was hinterher oder nach.

00:50:42: Was ich mal kannte und was mir ganz viel bedeutet hat.

00:50:45: Und irgendwie kann ich das dann wieso nicht... Ich müsste wahrscheinlich... Ich hätte da irgendwie Bock zum Beispiel einfach mal Shakespeare zu machen.

00:50:53: So irgendwie sowas.

00:50:54: Ich kann mir nicht mehr wenn irgendjemand noch so kopiert wo irgendwie Kastorf und René was die alles gemacht haben.

00:51:01: Da kann ich mich irgendwie nicht mehr hinstellen.

00:51:03: Es interessiert mich einfach nicht mehr und ich weiß nicht, ob Shakespeare mich dann interessieren würde.

00:51:07: Ich würde lieber einen Film drehen, der mir Dulla heißt, ehrlich gesagt.

00:51:12: Wer

00:51:13: wärst du denn?

00:51:14: Wer würdest du denn gerne spielen,

00:51:16: Tristan?!

00:51:17: Ja die sind alle natürlich wahnsinnig ... Ich liebe auch solche Figuren zu spielen, die so irgendwie... Also das ist eine wahnsinnige Herausforderung, solche Typen zu spielen die ja irgendwie eklig sind, aber irgendwie versteht man sie dann doch natürlich auch ein bisschen und man gibt ihn ja dann doch auch irgendwie so eine komische Art von Nachvollziehbarkeit oder man muss sich kann sich auch ganz dagegen entscheiden.

00:51:41: Aber für sich selber muss man das ja irgendwie machen.

00:51:44: Ich finde alle toll.

00:51:45: ich find diese.

00:51:45: es gibt so ne Szene Die werden wir nicht mehr lesen.

00:51:48: Wir sind wahrscheinlich auch schon in der zweiten Stunde.

00:51:54: Da gibst du eine Szene, da ist der ... Wie heißt er?

00:51:58: Der bei seinen Eltern?

00:51:58: dann wenn der Vater stirbt.

00:52:01: Ah nee das ist David.

00:52:02: ja!

00:52:02: Wenn David geht immer zu seinen Eltern ins Hospiz und da liegt die Mutter und der Vater... Und die Mutter ist eigentlich noch ganz fit aber der Vater baut schon stark ab.

00:52:11: und dann gibt's so ne Szene da... Also ich spoil da ein bisschen, ihr kauft es Buch einfach eher alle gleich.

00:52:20: Da gibts so eine Szente wo die Mutter Es ist wie so eine Zombie Sequenz, wo die fast die Leiche fleddert.

00:52:30: Das habe ich so lustig geschrieben und ich musste lachen über diese Situationen wie der Typ dann so einbricht und sieht wie die Mutter und er will sie anfassen und sie beißt ihn... Das ist eine sehr gute Szene, ich würde sie sehr gerne drehen.

00:52:43: Ich glaube vielleicht wäre ich bei ihm auch dieses Muttersöhnchenhafte von ihm hier sich dann so zusammen kauert wenn der Vater gestorben ist und kommt die Frau, die ihn eh schon nicht mehr ertragen kann und die macht ihm dann noch irgendwie so Peppelt ihn wieder weil sie kann ihn ja nicht ganz liegen lassen und das ist schon sehr dramatisch und ist auch lustig.

00:53:04: Das habe ich noch gar nicht so gespiegelt bekommen, dass die Szene auch lustig ist.

00:53:10: Es wäre dann sehr interessant zu sehen.

00:53:11: Voll cool!

00:53:14: Aber das ist mir eh aufgefallen... Ich weiß nicht, es ist ja oft so, dass ich teilweise bei Szenen, die ich gar nicht angelegt hatte, dann bei Lesungen merke, dass sie eigentlich lustig sind oder jetzt lustig wahrgenommen werden.

00:53:28: Und dann schäme ich mich mal im Nachhinein, dass ich denke, ich hab's doch gar nicht los.

00:53:32: Weil das ist ja ... Aber vielleicht entsteht durch so eine Hyperfokussierung auf diese Ernsthaftigkeit.

00:53:38: Das sind die besten

00:53:39: Comedians, die genau so gespielt und geschrieben sind.

00:53:43: Es ist einfach ein Grotesker-Situationen, die du da zum Teil beschreibst.

00:53:49: Das ist wie eine Übersprungslachen, was dann passiert.

00:53:53: Und es ist einfach eine Ruhe Kunst, das zu machen.

00:53:58: Müssten wir jetzt eigentlich, sollen wir noch mal was lesen?

00:53:59: Sollen

00:53:59: wir gehen?

00:54:00: Nein.

00:54:01: Sagen wir schon gehen!

00:54:05: Fünf Minuten.

00:54:05: Wir lesen sehr schnell... Es gibt noch einen kleinen Auszug.

00:54:09: Wir setzen uns dann nachher in die Bar und reden weiter miteinander und ihr könnt einfach mitkommen und zuhören weiter wie wir uns unterhalten.

00:54:15: Wie

00:54:15: wir uns wieder... Wieder finden lernen.

00:54:17: Sag mal die Seite.

00:54:18: Genau, Seite zweihundertvier.

00:54:20: Wir müssen glaube ich richtig schnell lesen.

00:54:22: Ja okay,

00:54:23: also klar.

00:54:24: Also vor der Praxis nimmt Esther Lemms Hand.

00:54:28: Achso, Lem muss ich ganz kurz noch sagen.

00:54:32: Ester und Jakob sind so ein bisschen das finzeste Paar.

00:54:37: Sie ist in der Schwangerschaft schon soweit, dass sie das Kind bekommen muss.

00:54:41: Und sie hat irgendwann angefangen einen anderen Mann, den sie im Internet kennengelernt hat mit zu dem Kontrolluntersuch zu

00:54:46: nehmen.

00:54:47: Das ist der DJ von quasi aus der Restaurantszene?

00:54:49: Genau!

00:54:50: Die haben so einen Online-Instagramm flört angefangen.

00:54:54: Jetzt haben sich aber jetzt angefangen auch zu treffen.

00:54:57: Da ist sogar schon was gelaufen, glaub ich.

00:55:00: Also vor der Praxis nimmt Esther Lemms Hand.

00:55:03: Es ist die erste Berührung zwischen ihnen beiden und ihr gefällt wie selbstverständlich sie einander halten.

00:55:08: Sie fahren mit dem Fahrstuhl.

00:55:09: in den dritten Stock stehen hand-in-hand am Tresen.

00:55:12: Die Ärztin begrüßt sie an der Tür.

00:55:14: Wie immer vergisst Esther das Ärztinnen ungern die Hand geben Und hält ihre ins Leere.

00:55:20: Die Ärztin lächelt entschlossen und weist freundlich auf die beiden Stühle vor ihrem Schreibtisch.

00:55:26: Aus den Augenwinkeln sieht sie Lemms rotblondes Haar.

00:55:29: Sie bemerkt die körperliche Differenz zwischen ihm und Jakob, Lem ist ein gutes Stück größer und entspannt sich ein wenig.

00:55:37: Lem hatte einfach zugestimmt heute mitzukommen ohne weiter nachzufragen – sie schaut aus dem Fenster!

00:55:43: Das Vormittagslicht fällt auf die glänzenden Oberflächen der strahlend weißen Möbel.

00:55:47: Auf einmal hat sie das starke Verlangen eines der staubfreien Sideboards zu berühren und streckt den Arm danach

00:55:54: aus.

00:55:55: Unterbricht die Ärztin ihren Impuls.

00:55:57: Sie liest in dem Bogen, den Esther im Wartezimmer ausgefüllt hat?

00:56:01: Ich nehme an das ist nicht ihre erste Kontrolluntersuchung.

00:56:06: Sie sieht sie über ihren Brillenrand an

00:56:08: Oder etwa doch?

00:56:10: Nein ich war bisher bei einer anderen ÄrztInn

00:56:12: Bei wem denn?

00:56:14: Esther schaut dann ihr vorbei auf das großformatige abstrakte Gemälde in verschiedenen Weistönen dass die ganze Wand ausfüllt.

00:56:23: Bei Frau Dr.

00:56:24: Lahn, aber das ist doch eine hervorragende Gynäkologin!

00:56:27: Warum der Wechsel?

00:56:29: Wir sind umgezogen, lügt sie.

00:56:31: Ach so...

00:56:32: Wieder wirft die Ärztin einen Blick in den Fragebogen und sieht dann irritiert zu ihr.

00:56:36: Nun gut Sie legt den Bogen zur Seite.

00:56:39: Irgendwelche beschwerden?

00:56:40: Esther schüttelt den Kopf.

00:56:41: Na dann wollen wir mal.

00:56:43: Auf der Liege schiebt Esther ihr Schört hoch und den Bund der Leggings nach unten.

00:56:47: Die ÄrztInn schmiert den Kopf des Ultraschallgeräts mit Gel ein.

00:56:51: Bevor sie aufsetzt, dreht sie sich zu Lemm um, der unschlüssig neben dem Schreibtisch steht.

00:56:55: Bekommen Sie ruhig ran, junger Mann!

00:56:57: Die Kühle des Gels auf der Haut, der leichte Ekel vor der Konsistenz der Masse und der sanfte Druck den die Ärztin auf den Schallkopf ausübt lösen wie immer Widerstand in Äster aus.

00:57:05: Sie überwindet sich und sieht auf den Monitor.

00:57:09: Auch Lemm und die Ärzten schauen dorthin.

00:57:12: Das Bild flimmert fahrig zwischen schwarzen und weißen Schämen hin und her Sagt die Ärztin und drückt mit der freien Hand einen Knopf am Gerät.

00:57:21: Der Herzschlag ist plötzlich zu hören, schnell und fordernd – Ester wendet sich ab!

00:57:26: Die ÄrztInn deutet das als Rührung und schiebt Lem ein Stück näher an die Liege heran.

00:57:31: Er reagiert nicht.

00:57:33: start nur weiter auf den Monitor, der ihm nichts zu geben scheint.

00:57:36: Er hat Esters Reaktion richtig verstanden.

00:57:40: Draußen will er wissen warum sie das Kind bekommen wollte.

00:57:44: Sie ist überrascht von der Frage, die sie sich selbst nie gestellt hat.

00:57:48: Sie hatte es laufen lassen, sich von Jakobs direkter Freude leiten lassen, die ihr Nachvollziehbar erschien auch wenn sie sich seltsam unbeteiligt fühlte.

00:57:57: und war's nicht das was alle machten?

00:57:59: Kinder kriegen?

00:58:02: Sie gehen in den Sonne ziellos durch die Straßen vorbei an Cafés & Shops.

00:58:06: Sie machen nirgends Hals unterhalten sich nicht zwischen Durchmachtlem Fotos von ihr.

00:58:11: als eine halbe Stunde um ist schaut er auf die Uhr.

00:58:13: Ich muss los.

00:58:14: Wann ist der nächste Termin?

00:58:15: In

00:58:16: zwei Wochen.

00:58:17: Er nickt und geht, ohne sich zu verabschieden.

00:58:21: Als sie nach Hause kommt, ist Jakob schon da.

00:58:24: Er steht auf dem Balkon und telefoniert, winkt ihr durch das Fenster zu und zeigt hinter Sie in die Küche.

00:58:30: Er hat Essen mitgebracht, den Tisch gedeckt, Hummus, Salat mit gegrilltem Gemüse, Kichererbsen, Fladenbrot aus dem kleinen lokalen Neukölln, das vor einem Jahr eröffnet hat.

00:58:39: Wann immer sie in der Nähe ist, geht sie hin!

00:58:43: Sie wäscht sich nicht die Hände, setzt dich an den Tisch und beginnt zu essen.

00:58:46: Schlingt alles in sich hinein, den Salat des Gemüse reißt ein Stück Fladenbrot ab, wischt den Rest Humus damit aus der Pappbox.

00:58:53: Jakob steht im Türrahmen das Handy noch in der Hand.

00:58:56: Er startet sie an.

00:58:58: Hast du alles alleine aufgegessen?

00:59:01: Sie schluckt den letzten Bissen runter und schaut zu ihm.

00:59:03: Seine Haare sind frisch gewaschen stehen fädrig von seinem Kopf ab.

00:59:08: Er wird sie später in einem komplizierten Verfahren erst kämmen, dann mit etwas Frisiercreme bearbeiten.

00:59:14: Wiederkämmen und zum Schluss mit den Fingern auseinanderzupfen – Sie hasst das alles!

00:59:20: Ja?

00:59:21: Habe ich!

00:59:22: Sie stopft sich noch ein viel zu großes Stück Fladenbrot in den Mund und zeigt vor sich auf den Tisch.

00:59:27: Aber bestimmt Brot ist ja noch da... Sie steht auf, schiebt ihn zur Seite und geht in den Flur, streift ihre Schuhe ab und lässt sie auf dem Boden liegen biegt ins Badezimmer ein, zieht sich die Hose runter und pinkelt bei geöffneter Tür.

00:59:41: Sie sieht wie Jakob am Bad vorbeiläuft ohne einen Blick hineinzuwerfen hört wie die Wohnungstür ins Schloss fällt.

00:59:46: sie stöhnt gedehnt auf bleibt sitzen und fixiert sein badetuch das ordentlich glatt gestrichen zum trocknen über der Stange hängt.

00:59:54: Sie fasst hinüber und zieht daran bis es langsam in die noch volle Badewanne gleitet.

00:59:59: Zieht sich die hose hoch ohne vorher abzuwischen.

01:00:02: Die Art, wie das Handtuch am Wannenboden liegt erinnert sie an etwas.

01:00:08: Noch während sie darüber nachdenkt sammelt sich Spucke im Mund und spitzt die Lippen.

01:00:12: Sie beugt sich von über und lässt einen dünnen Speichelfaden ins Wassertropfen.

01:00:16: Was machst du da?

01:00:17: fragt Jakob in ihren Rücken hinein Und sie dreht sich blitzschnell um.

01:00:22: Er scheint die Wohnung gar nicht verlassen vielleicht nur den Müll nach draußen gestellt zu haben.

01:00:27: Ist was wegen des...

01:00:29: Er zögert ein Moment Wie jedes Mal kurz bevor er das Wort ausspricht.

01:00:34: Babys?

01:00:35: Weil sie nicht antwortet, redet er weiter.

01:00:37: Wie war denn die Untersuchung?

01:00:39: Soll ich das nächste Mal nicht wieder mit... Nein!

01:00:41: Unterbrecht sie ihn.

01:00:43: Er nickt schnell, unsicher tritt er von einem Fuß auf den anderen.

01:00:47: Du hast da ähm ...

01:00:49: Er deutet auf ihr Kind.

01:00:50: Du hasst da was.

01:00:51: Sie dreht sich zum Spiegel.

01:00:53: ein Batzen schaumiger Spucke hängt unterhalb der Lippe.

01:00:55: daneben Jakobs besorgtes Gesicht seine hilflos an ihm herunterhängenden Arme.

01:01:00: Ohne sich umzudrehen greift sie hinter sich in die Badewanne und tastet nach dem Handtuch, zieht es heraus und hält es neben sich in der Luft wie ein totes Kaninchen.

01:01:09: Easter hört, wie das Wasser aus dem Handtuhr auf die Fliesen rinnt, holt einen plötzlichen Impuls folgendaus und klatscht es Jakob mitten ins Gesicht.

01:01:18: Verdattert macht er zwei Schritte zurück.

01:01:21: Seine Haare kleben ihm in fisseligen Stränen auf den Stirn.

01:01:24: Er sieht völlig verdutzt aus und plötzlich weiß sie, woran sie das Handtuch in der Badewanne erinnert hat.

01:01:31: Nachts liegt er oft genauso da – die Bettecke von sich gestrampelt den Oberkörper seltsam verdreht wie nach einem Unfall!

01:01:38: Die Augen wegen seiner Liedverkürzung nur halb geschlossen als würde er Sie auch im Schlaf noch beobachten.

01:01:45: Wieder holt sie aus aber diesmal duckt er sich weg und das Handtag erwischt nur seinen Doppelgänger im Spiegel.

01:01:51: In Geistert starte sie an, sucht etwas in ihrem Blick das ihn die Situation verstehen lässt und zieht mit einem leisen Zwischenluft durch die Zähne ein wie es immer macht wenn er wütend wird.

01:02:02: Als würde er die Wut statt sie rauszulassen in sich hinein saugen.

01:02:06: Mit einem lauten Knacken in der Kehle schluckt er sie jetzt runter dreht sich um und geht in die Küche klappert mit Töpfen handiert.

01:02:13: am Herd wird sich Spaghetti machen Ein Salat dazu vielleicht.

01:02:17: Vergiss nicht

01:02:18: Ruft er?

01:02:19: Heute Abend ist das Konzert.

01:02:21: Ich habe deine Hose aus der Reinigung geholt.

01:02:24: Ist.

01:02:24: er antwortet nicht, lässt das Wasser aus der Wanne schaut zu wie es in den Abfluss strudelt spült als alles abgelaufen ist die Schmutzrückstände weg bis die Wanne sauber ist wie vorher.

01:02:38: Das ist so toll!

01:02:47: Also für Jakob geht es dann auch super noch weiter.

01:02:50: Der ist quasi, hat so ein alter Ego das heißt wie Libelle?

01:02:54: Kleine Libeller.

01:02:54: Kleiner Libella

01:02:55: schlägt sich in so einen Mütterforum ein und so dass wirklich ich empfehle euch sehr medulla.

01:03:00: Ich danke Verena.

01:03:03: schön dich zu sehen nach zwanzig Jahren.

01:03:05: schön jetzt zu wissen Wie.

01:03:07: also.

01:03:07: ich wusste schon vorher aber wie großartig du noch außerdem bist Und ich freue mich.

01:03:14: Danke vielen Dank dass du da warst.

01:03:20: Das war unsere einundzwanzigte Folge No-Press und Einzelnen im Book Club.

01:03:23: Danke euch fürs Zuhören!

01:03:24: Und nochmals vielen herzlichen Dank an der Schatte Royal & Nayara Branco Säuberlich, an Recap für die Kameras und Schalldruck für die Boxen.

01:03:33: An der Kamera waren Antonia Pepita Giesler, Sarah Abrantes-Schlee und Greg Blakey.

01:03:38: Das Licht hat Heng Otte gesetzt – ein fulminantes Schnittdebüe von Shilan Shimshek.

01:03:45: Und danke auch an Fahrd Junus Topraklar und Tepe Schöning für die Langzeitunterstützung.

01:03:50: No Pressure wird produziert von Leslie Alina Schäfer, Rebecca Martin und mir, Junus Rohr Emeer.

01:03:57: Wir freuen uns euch bald wieder bei uns begrüßen zu dürfen.

01:03:59: Bis dahin Ciao!

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